Spirituelle Impulse

Liebe Gemeindemitglieder,

liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde!

Ein Stehempfang. Üblicher Smalltalk. Wetter, Job, Politik. Da „outet“ sich einer als Christ. Verblüfftes Schweigen, bis jemand sagt: „Christ? Ach! Interessant! Und was macht man da so?“ – Diese Geschichte, die mir vor einiger Zeit untergekommen ist, fragt nach der Erkennbarkeit des Christen/der Christin und danach, ob ein christliches Leben anders ausschaut als das „normale“ Leben. Tun Christen etwas, was andere nicht tun?

In den Briefen des Apostels Paulus wird oft ein Bild benutzt ist, dass hier vielleicht hilfreich sein kann. Paulus und seine Schüler sprechen vom neuen Gewand, das Christinnen und Christen angezogen haben, also etwas, was durchaus sichtbar sein soll.

Dabei empfehlen sie keine Uniform, aber vielleicht schon eine besonders christliche Haute Couture: „Legt den alten Menschen ab, … Zieht den neuen Menschen an.“ Eph 22ff. oder auch im Brief an die Gemeinde in Rom: „Legt (als neues Gewand) den Herrn Jesus Christus an…“ Röm 13,14 und im Blick auf die Taufe heißt es im Brief an die Gemeinde in Galatien: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt.“ Gal 3,27

 

Noch heute ist im Taufritus vorgesehen, dass dem/der Getauften nach der Taufe ein weißes Kleid angezogen und ihm/ihr dabei zugesagt wird: „Empfange das weiße Kleid als Zeichen der Freude, dass du in der Taufe Christus angezogen hast. Bleibe in Christus, und er bleibt in dir.“

 

Wenn jemand in einem Taufbecken oder in einem Fluss getauft wird, ist das sehr eindrücklich. Der Mensch legt die alten Kleider ab, steigt ins Wasser, wird untergetaucht und danach in ein neues Gewand gekleidet, denn er hat in der Taufe Christus angezogen. Ein eindrückliches Bild: Christus ist mir so nah, wie mir meine Kleidung nahe ist, aber ist es mehr als nur ein Bild?

 

Was hat es auf sich, mit „der Christen neuen Kleider“? „Der Christen neue Kleider“, das erinnert an das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen. Ein Kaiser lässt sich von betrügerischen Schneidern neue Kleider aufschwatzen. Kleider, die es in wirklich gar nicht gibt, von denen aber viele meinen sie seien da, nur sie selber könnten sie nicht wahrnehmen. Keiner traut sich zu sagen, dass er die Kleider gar nicht sieht. Zum Schluss steht der Kaiser nackt da und alle bewundern seine neuen Kleider. Nur ein Kind spricht die Wahrheit aus: „Der hat ja gar nichts an!“

 

Auf dem Hintergrund dieses Märchens ist der Titel „Der Christen neue Kleider“ auch provokativ. Denn, wie schaut das Kleid aus, das ich in der Taufe angezogen habe?

 

Ist etwas von diesem Christusgewand sichtbar und spürbar für mich, für andere, für meine Familie, meine Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen, für die Menschen, denen ich täglich begegne? Ist das etwas Wirkliches, etwas was mit meiner Realität, meinem täglichen Leben zu tun hat? Merkt man davon etwas oder ist das nur eine fromme Rede? Ist das Christusgewand vielleicht nur ein Phantom wie des „Kaisers neue Kleider“ im Märchen und in Wirklichkeit habe ich gar nichts an?

 

Es lohnt sich, über diese Fragen nachzudenken!

 

Hinweise, was es heißt, sich mit dem Gewand Christi zu bekleiden, gibt uns der Brief an die Gemeinde in Kolossä. Dort heißt es: „Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld!

Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!

Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht.

In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar!

Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. Belehrt und ermahnt einander in aller Weisheit! Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder, wie sie der Geist eingibt, denn ihr seid in Gottes Gnade.

Alles, was ihr in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Durch ihn dankt Gott, dem Vater!“ Kol 3,12-17

 

Dieser Text macht die Gewandung der Christen etwas augenscheinlicher und greifbarer. Er macht deutlich, was es heißt, in der Taufe Christus angezogen zu haben und in ihm zu bleiben. Er gibt Hinweise darauf, was im Leben von Christinnen und Christen erfahrbar sein sollte:

Erbarmen, Güte, Demut,
Milde, Geduld, Sich ertragen,
Vergebung schenken, Vergebung annehmen,
Liebe, Friede, Weisheit, Dankbarkeit.

 

Wäre das nicht auch eine treffende Antwort auf das eingangs erwähnte Votum: „Christ? Ach! Interessant! Und was macht man da so?“

 

Ihr

Siegfried J. Thuringer, Pfr.

 

 

 

 

Archiv der vergangenen spirituellen Impulse

Samstag 4. Juni

16.00 Uhr 20-Jahr-Feier Alt-Katholische Filialgemeinde Bad Tölz
in Bad Tölz, Tennerkapelle

Donnerstag, 9. Juni

19.30 Uhr Gartenhausgespräch

Sonntag, 19. Juni

10.00 Uhr Erstkommunion und Familiengottesdienst

Donnerstag, 7. Juli

19.30 Uhr Gartenhausgespräch

Freitag, 22. - Sonntag, 24. Juli

Dekanatswochenende in Pappenheim