Spirituelle Impulse

Liebe Gemeindemitglieder,

liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde,

wir trauern um Bischof em. Joachim Vobbe, der am 26. Juli nach langer schwerer Krankheit im Alter von 70 Jahren in seiner Wohnung in Königswinter bei Bonn starb. Er hinterlässt seine Frau Mariette und seine zwei erwachsenen Söhne. Joachim Vobbe leitete das alt-katholische Bistum in Deutschland von 1995 bis 2010 und besuchte in dieser Zeit oft auch unsere ­Münchner Gemeinde und unsere Filiale Bad Tölz: zur Verabschiedung und Einführung des jeweiligen Pfarrers, um die Firmung zu spenden, zu Landessynoden oder um Jubiläen mit uns zu feiern. Sein ungezwungener Umgang mit Jung und Alt und sein rheinischer Frohsinn sind vielen von uns ebenso in lebendiger Erinnerung wie die von ihm geleiteten Gottesdienste, die von einer tiefen Spiritualität geprägt waren.

Während seiner Amtszeit wurde die von mehreren vorangegangenen Synoden beschlossene Priesterweihe für Frauen in die Tat umgesetzt: Am Pfingstmontag 1996 weihte Bischof ­Joachim in Konstanz die ersten beiden Frauen zu Priesterinnen.

 

Das Jahr 1997 rief er mit Bischof Dusan ­Heijbal (Tschechien) und Bischof Bernhard Heitz (Österreich) für ihre Kirchen zu einem Jahr der Versöhnung aus. Die Aufarbeitung der Rolle des alt-katholischen Bistums während der NS-Zeit mündete in einer bewegenden Feierstunde und einem Schuldbekenntnis auf der Synode im Jahr 2000.

 

Von 1995 bis 2004 lud Bischof Joachim Interessierte aus dem ganzen Bistum und aus der Ökumene zu „Herdenbrieftagen“ ins Steintal (Elsaß) ein. Bei diesen einwöchigen thematischen Treffen wurde die Vorarbeit für die zwischen 1996 und 2004 erschienenen Bischofsbriefe zu den sieben Sakramenten, zur Frauenordination und zur Jahrtausendwende geleistet. Sie sind im Sammelband „Brot aus dem Steinteil“ 2005 erschienen und machen deutlich, worin für Bischof Joachim die Grundlage alt-katholischer Spiritualität besteht:

„Was uns Alt-Katholiken miteinander geistlich verbindet und als Kirche auch international lebendig hält, ist nicht eine Institution wie etwa der Vatikan, aber auch kein gemeinsames Kirchenrecht und auch keine gemeinsame „Leitfigur“ wie Martin Luther oder Johannes Calvin, sondern die Feier der Sakramente. In der Verbindung von biblischem Wort und Sakrament finden wir den Sammel- und Sendepunkt unseres Kircheseins. Nur auf der Basis dieser sakramentalen Wurzeln gedeihen unsere anderen alt-katholischen Spezifika: Unser synodales Prinzip, unsere Integrationsbereitschaft, unsere diakonische Verantwortung und unsere Freiheit.“ (Brot aus dem Steinteil, S. 16)

 

Die geistliche Erneuerung der Kirche sowie die Stärkung der spirituellen Dimension des Alt-Katholizismus gehörten zu den Hauptanliegen Joachim Vobbes. Wichtige geistliche Quellen neben der Bibel waren für ihn die Werke von Hildegard von Bingen, Nikolaus Cusanus sowie Teilhard de Chardin. Auch dem Geist der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé fühlte er sich sehr verbunden. Vieles davon ist eingeflossen in das geistliche Leben der alt-katholischen Gemeinden.

Sein geistliches Vermächtnis findet sich in ­Liedern im Gesangbuch „Eingestimmt.“, im Gebetbuch „Gottzeit.“ sowie in Eucharistie­gebeten, die aus seiner Feder stammen und die Eingang in unser Altarbuch gefunden haben.

 

Was ihn bewegte, was er glaubte und hoffte, findet sich verdichtet in dem Lied (ES 636) wieder, das er anlässlich seiner Bischofsweihe zu seinem Weihespruch „Gott ist größer als unser Herz“ (1 Joh 3,20) verfasst hat:
 

 

In deiner Schöpfung birgt sich dein Gesicht,

in stiller Ordnung, die den Kosmos hält,

in Pflanze, Tier und Vielfalt dieser Welt.

Was du geschaffen hast, verlässt du nicht.

 

Welt ist nicht nur, was Menschenaugen sehn,

und Ordnung mehr, als wir davon verstehn.

Anfang und Ziel – dir, Einziger, gehört’s,

denn größer bist du, Gott, als unser Herz.

 

Im Brot und Wein enthüllst du dein Gesicht.

In dem, was wir gesät auf unserm Feld,

kommt Christus, deine Liebe, in die Welt.

Du lässt dein pilgernd Volk verhungern nicht.

 

Brot bleibt nicht Brot und Wein bleibt nicht nur Wein:

Dein Kind macht Schwaches stark und Großes klein.

Auflebt die Saat, der Keim treibt himmelwärts,

denn größer bist du, Gott, als unser Herz.

 

Im Menschenantlitz schaun wir dein Gesicht.

In seinen Wunden und in seiner Angst

zeigst du, dass du um Heilung mit uns bangst.

Du löschst die schwache Glut des Dochtes nicht.

An unsren Kreuzen bleibt die Sehnsucht heil:

Wir nehmen, Gott, an deinem Leben teil.

Schuld bleibt nicht Schuld
           
und Schmerz ist nicht mehr Schmerz,

denn größer bist du, Gott, als unser Herz.

 

In dieses Glaubensbekenntnis stimme ich gerne ein. Unsere Kirche hat Bischof Joachim Vobbe viel zu verdanken und seine geistlichen Impulse werden noch lange nachklingen.

 

            Siegfried J.Thuringer, Pfr.

 

 

 

 

Archiv der vergangenen spirituellen Impulse

Ab 4. Oktober immer mittwochs

19.30 Uhr Workshop Christbaumschmuck

Dienstag, 7. November

19.00 Uhr Willibrordvesper

Samstag, 11. November

10.00 Uhr  - 13.00 Uhr baf-Frauenfrühstück

Sonntag, 12. November

10.00 Uhr Familiengottesdienst

Sonntag, 19. November

10.00 Uhr Firmung in St. Willibrord