Spirituelle Impulse

Barmherzigkeit – (k)ein Jahresthema ! ?

Liebe Gemeindemitglieder,

liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde!

das von Papst Franziskus für 2016 ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit ist zu Ende gegangen und es ist tatsächlich das passiert, was ich mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, die Tore der Barmherzigkeit wurden wieder geschlossen. Nicht nur die zu Beginn des Heiligen Jahres geöffnete Heilige Pforte im Petersdom, sondern auch die in vielen Bischofskirchen eingerichteten Tore der Barmherzigkeit. In einem Bistum führte das dazu, dass mangels einer bisher verschlossenen Tür vor dem Dom ein Tor der Barmherzigkeit aufgestellt wurde, durch das man gehen konnte, das aber nirgendwo hinaus oder hinein führte. In den meisten Kathedralen wurden freilich sonst bisher verschlossene Türen zum Tor der Barmherzigkeit erklärt, oft künstlerisch interessant gestaltet und feierlich eröffnet. Am letzten Sonntag des Kirchenjahres 2016 wurden sie jetzt genauso feierlich wieder zugemacht. In der Pressemitteilung eines Bistums war der Hinweis zu lesen: Tore der Barmherzigkeit – nur noch wenige Tage geöffnet. Wer so eine Tür wieder schließt, zerstört die Symbolik oder verkehrt sie ins Gegenteil. Der Zugang zur Barmherzigkeit kann nicht einfach wieder abgebaut, versperrt oder zugemauert werden, da tröstet auch das Versprechen, Barmherzigkeit werde auch weiterhin ein zentrales Thema kirchlichen Lebens sein, nur wenig.

Barmherzigkeit ist tatsächlich kein Jahresthema, sondern eine zentrale Botschaft im Leben und Wirken Jesu, der in seinem Umgang mit den Menschen und seiner Verkündigung die Barmherzigkeit Gottes zu vermitteln versteht. Gott ist einer, der ein weites Herz hat, ein barmherziger Gott, der niemanden verloren gibt (ich denke an den verlorenen Sohn, an das verlorene Schaf, an Jesu Umgang mit Sündern, Bedürftigen und Ausgegrenzten), einer, der sich um jede und jeden sorgt.

Die Rede vom barmherzigen Gott richtet sich zum einen an die Menschen, die wirklich der Barmherzigkeit bedürfen, aber und das scheint mir noch dringlicher, vor allem an die Menschen, die barmherziges Handeln eher verhindern, denn die Botschaft Jesu ist: „Seid barmherzig, wie auch Euer Vater im Himmel barmherzig ist.“ Lk  6,36

Aus meiner Sicht sind die Adressaten der Barmherzigkeit damals wie heute deshalb vor allem legalistisch Denkende und Handelnde.

Viele, die vermeintlich der Barmherzigkeit bedürfen, fühlen sich zu Recht auch gar nicht angesprochen.

Die wiederverheirateten Geschiedenen wollen nicht auf Dauer als die permanent geduldeten Sünder gesehen werden und die homosexuell Liebenden erleben sich nicht als Sünder, die auf Barmherzigkeit angewiesen sind. Sie wollen mit ihrer Lebensgeschichte, mit ihren Erfahrungen und Gaben angenommen und geachtet werden. Es geht um Anerkennung, nicht Duldung – auch nicht um Barmherzigkeit.

Bischof Matthias Ring hat in seinem Bischofsbericht bei der Synode im Hinblick auf die Verwendung des Begriffs Barmherzigkeit zur Vorsicht gemahnt. Barmherzigkeit setze nämlich „ein hierarchisches Gefälle voraus. Barmherzigkeit ändert nicht die Regeln. Sie verzichtet nur auf deren Umsetzung.“

 

Barmherzigkeit ist kein Gnadenakt, sondern Ausdruck der liebenden Zuwendung Gottes zum Menschen, daran sollen wir uns orientieren.

„Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“ Ez 36,26

– mit dieser Verheißung dürfen wir in das kommende Jahr 2017 gehen. Diesen Vers aus dem Buch Ezechiel hat die ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) als Jahreslosung ausgewählt. Das Herz meint im Hebräischen das Innerste eines Menschen, es ist der Sitz des Verstandes, der geistigen Fähigkeiten, es ist aber auch der Sitz der Gefühle, wie Mut und Freude, aber auch von Kummer und Leid. Das Herz ist der innere Antrieb, aus dem heraus ein Mensch handelt und deshalb kann Ezechiel den Menschen, derer Herz verstockt ist, von Gott her sagen: „Ich nehme das Herz von Stein aus Eurer Brust und gebe Euch ein Herz von Fleisch“.

 

Ich sehe die Jahreslosung auch als Einladung, an Gottes Barmherzigkeit Maß zu nehmen.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen gesegnete Zeit!

Ihr

Siegfried J. Thuringer, Pfr.

 

 

 

Archiv der vergangenen spirituellen Impulse

Montag, 6. März bis Montag, 3. April

Ökumenische Exerzitien im Alltag

Sonntag, 2. April

17:00 Uhr Weitere Aufführung des Konzerts "Stark wie der Tod ist die Liebe" Requiem für Chor, Solo und Orgel

Palmsonntag, 9. April

10.00 Uhr Familiengottesdienst

28. April bis 1. Mai

Jugendwochenende Ring Frei

Samstag, 6. Mai

13.00 Uhr Singworkshop und ökumenischer Gottesdienst zur Musik des Weltgebetstags

Donnerstag, 25. Mai Christi Himmelfahrt

Gemeindefahrt nach Mariabrunn

Freitag, 21. Juli - Sonntag, 23. Juli

Dekanatstage in Pappenheim

Sonntag, 19. November

10.00 Uhr Firmung in St. Willibrord