Spirituelle Impulse

Liebe Gemeindemitglieder,

liebe Freundinnen und Freunde der Gemeinde!

vom 29. September bis 2. Oktober 2016 tagt unsere 60. Bistumssynode. Bischof ­Matthias stellte zu Beginn der letzten sinngemäß fest: „Eine Kirche ist immer synodal. Wenn eine Kirche aufhören würde synodal zu sein, würde sie aufhören Kirche zu sein.“ Und tatsächlich: Die preußische Evangelische Kirche hatte 1872 zeitnah zu unserer Synodal- und Gemeindeordnung ihre Kirchengemeinde- und Synodalordnung in Kraft gesetzt. In der römisch-katholischen Kirche gibt es Pfarrgemeinderäte, Bistums- (z.B. Trier) und Bischofs-Synoden. Am 19. Juni dieses Jahres wurde für die Ostkirchen die erste pan-orthodoxe Synode der Neuzeit eröffnet. Die drei großen Stränge der Kirche haben also allesamt synodale Strukturen. Gibt es demnach eine spezifisch alt-katholische Synodalität?

 

Koinonia, griechisch für Gemeinschaft, ist ein Schlüsselwort des urchristlichen Verständnisses von Kirche. Die Alte Kirche hatte erweiterte Gemeindeversammlungen mit gottesdienstlichem Charakter. Mit der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion wurde die kirchliche Struktur abgestuft und die Bischöfe nahmen eine führende Rolle in Kirche und Staat ein. Der Koinonia-Gedanke trat zusehends in den Hintergrund. Mittelalterliche Reformversuche blieben als Stachel im Fleische stecken. Danach erstarkte das synodale Bewusstsein erst wieder bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die alt-katholische Gründungsgeneration integrierte in den alten Begriff der Synodalität aus dem damaligen gesellschaftlichen Diskurs Gedanken aus der Demokratie und dem Liberalismus. Als Gegenentwurf zu den beiden päpstlichen Neuerungen des Ersten Vatikanischen Konzils von 1869/70 prägt die Synodalität seitdem die Kirchenverfassungen der alt-katholischen Bistümer. In ihnen wird deutlich: Es geht bei alt-katholischer Synodalität im Kern um die Mitwirkung aller. Kein Bischof kann eine Kirche allein leiten. Er ist mindestens auf die Beratung durch ein Delegierten-Gremium angewiesen und dazu auch verpflichtet. Die Einbindung der Laien wurde als not-wendig erkannt. Organ dafür ist die Synode, die in Abstimmungen zu einem deutlichen Votum an den Bischof kommt. Dieses Verhältnis drückt sich nicht zuletzt in unserer Selbstbezeichnung als bischöflich-synodale Kirche aus.

 

Die alt-katholischen Verfassungen haben damit eindeutig demokratische Züge. Das kann aber nicht als altkirchlicher oder gar biblischer Zustand bezeichnet werden. Es gibt eine geistige und historische Distanz zwischen der neuzeitlichen Demokratie und der Alten Kirche. Wie eng soll sich eine Kirchenverfassung an der eines Staates orientieren? Wäre die klassische Gewaltenteilung im Bereich der Kirche überhaupt vertretbar? Müsste es so etwas wie die Möglichkeit einer Verfassungsklage geben? Und wie steht es um den Verfassungsschutz? – Manchmal drohen die gravierenden Unterschiede zwischen Staats- und Kirchenverfassung zu verwischen: Staatlicherseits kennt man keine Versammlung im Namen Jesu und nicht die Einwirkung des Heiligen Geistes. Es wäre theologisch auch nicht haltbar, dass alle Kirchengewalt vom Volk ausginge: Das Volk Gottes ist ecclesia, von Gott Heraus­gerufene. Jedes ihrer Glieder ist zur Mit­wirkung am Aufbau des Reiches Gottes berufen. Der Zweck von Kirche ist auch nicht, menschliches Zusammenleben möglichst sicher, gerecht und gut zu organisieren. Sondern die Kirche drückt sich aus in Diakonia (Nächstenliebe), Leiturgia (Gottesdienst), Martyria (Zeugnis). Die Koinonia bindet diese drei zusammen. In ihr vollzieht sich Synodalität. Synoden sind dadurch immer auch Leiturgia, Diakonia und Martyria. Über diese Tatsachen können wir nicht abstimmen und verfügen. Aber wer achtet darauf?

 

Mir ist im Laufe meiner alt-katholischen Karriere deutlich geworden, dass sich die Synodalität am ehesten in der Akzeptanz von Unterschieden widerspiegelt. Wer gemeinsam an einem Strang zieht, muss nicht uniform sein. Synodalität bedeutet somit Bewegung auf ein Ziel hin, das wir erst nach dieser Weltzeit mit ihren Kategorien erreichen werden, das stets pendelt zwischen dem Noch-Nicht und dem Doch-Schon der christlichen Hoffnung, das immer über sich selbst hinausweist. Synodalität bedeutet vielmehr eine stete Entscheidung für Vielfalt und Uneindeutigkeit. Sie kann auch als eine Haltung verstanden werden, die es dem Geist ermöglicht, zu wirken.

 

Ihr

Thomas A. Mayer, Pfarrvikar

 

 

 

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Freitag, 21. bis Sonntag, 23. Oktober

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